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"Europa ein Gesicht geben"

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PressespiegelSilvia Baule: Von der Marienschule in die Verwaltung der Europäischen Union


Eine von 400 in deutschen Schulen: Dr. Silvia Baule informierte in der Marienschule über Europa. Foto: Hartmann
Hildesheim (ph). Die Europäische Kommission feilt an ihrem Image. Und so schickte sie gestern alle rund 400 deutschen Beamten los, ihre ehemaligen Schulen über Europa zu informieren. In Hildesheim besuchte Dr. Silvia Baule die Marienschule.
Ein weiter Weg vom damaligen Hildesheimer Mädchengymnasium, an dem sie 1991 das Abitur bestand, in die Verwaltung Europas: Silvia Baule ist nicht von Anfang an eine glühende Europäerin gewesen. Leistungskurse belegte sie in Französisch und Geschichte, beides hat sie studiert, bevor sie in Göttingen ins Jurastudium wechselte. Da hatte sie schon ein Jahr in Frankreich hinter sich, unterstützt vom Programm ”Erasmus“, hat dort perfekt Französisch gelernt. Ihre einzige Fremdsprache neben Englisch. ”Ich kenne Kollegen, die mehr Sprachen fließend sprechen“, immerhin hat die Europäische Union derzeit 23 Amtssprachen.
Was hat sie in die Europäische Kommission geführt (sie ist dort im höheren Dienst in der Generaldirektion Handel, Anti-Dumping und Internationale Beihilfeverfahren tätig)? ”Es war mein Interesse für Frankreich und für Geschichte“, erzählt die EU-Beamtin heute. Und das Erasmus-Projekt. Schon im Studium hat sie sich in Göttingen dem Europäischen Recht zugewandt, ihre Doktorarbeit über das Thema geschrieben. Sie hat im Verbraucherschutzministerium in Berlin gearbeitet und sich als Anwältin die raue Luft der Privatwirtschaft um die Nase wehen lassen. Dann hat sie sich bei Europa beworben, hat den strengen Auswahltest bestanden und arbeitet nun seit 2003 dafür, dass Europa mehr zusammenwächst.
So hat sie sich auch spontan bereit gefunden, die ”tolle Idee“ der Bundesregierung zu unterstützen, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft hat und etwas gegen das schlechte Image der EU unternehmen will. Man wolle ”dem anonymen Europa ein Gesicht geben“. Also trat sie gestern auf der ”grünen Wiese“ vor den versammelten zehnten Jahrgang der Marienschule und erzählte den Schülern, wie das so war mit der Europäischen Einigung, wie Europas Verwaltung strukturiert ist und welche Abschlüsse man braucht, um für Europa zu arbeiten.
Gelernt hat sie das nicht, wenn sie sich auch daran erinnert, dass ihr Lehrer Günter Helmbold sie im Theaterspielen ausgebildet hat. Damals hatte sie am besten die Alkoholikerin drauf und die Gouvernante in einem Stück von Oscar Wilde. Heute also Europa-Lehrerin.
Aber auch dieses Fach beherrscht die frühere Marienschülerin. Sie bot auch den europa-erfahrenen Zuhörern durchaus Neues: Wer weiß denn schon, dass der Europarat in Straßburg eigentlich mit der EU nichts zu tun hat, älter als die EU ist und sich ausschließlich mit Menschenrechtsfragen befasst? Dass es seit 1924 eine Paneuropa-Bewegung gibt, in der immerhin Einstein und Thomas Mann Mitglieder waren? Und dass die Frage, wie krumm die Banane sein muss, nichts mit Europäischer Regelungswut zu tun hat sondern mit den Verpackungswünschen der Wirtschaft?

Artikel aus "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" vom 23.01.2007




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