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Langrednern droht Mikro-Entzug

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Pressespiegel”Deutschlandrundfahrt“ in Hildesheim / ”Die kleinste Großstadt“ live aus dem Museum / 220 Neugierige erleben, wie Rundfunk gemacht wird


Mirjam Brauns, Maylin Sackmann & Sarah Brauns von der Marienschule Foto: Ortwig
HILDESHEIM. Sonnabend nachmittag, 14 Uhr. Langsam steigt die Spannung im Vortragssaal des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Viele Plätze sind bereits besetzt, obwohl es noch eine Stude bis zur Sendung dauert. Das Deutschlandradio Kultur sendet liveaus Hildesheim. Auf seiner ”Deutschlandrundfahrt“ macht Moderator Olaf Kosert Station in der ”Kleinsten Großstadt“ - so der Titel der Sendung.
Der zuständige Redakteur Claus Bredel und Thomas Wiecha, Abteilungsleiter Aktuelles, sehen alles noch ganz locker, schlürfen mit Mitarbeitern einen Kaffee, den der Sender wie Saft und Kekse für seine Gäste parat hält. Moderator Kosert dagegen steht schon etwas unruhig auf Position hinter seiner Theke. ”Eine halbe Stunde vorher muss ich mich schon von meiner Aufregung ablenken“, gesteht der 36-jährige Journalist, der nach Politikstudium und Journalistenschule seit zwölf Jahren als Moderator arbeitet.
”Das Tolle an diesem Beruf ist, dass man so viel kennenlernt.“ Zum Beispiel Hildesheim (”Ich bin Berliner und durch die Großstadt versaut“) oder Museumsdirektorin Dr. Katja Lembke, die den Reigen der Hildesheimer Kulturvertreter am Live-Mikrofon einleiten soll.
Doch zuvor gibt es noch eine Aufwärmrunde. Die rund 220 Zuschauer erfahren von Abteilungsleiter Wiecha, dass sich Deutschlandradio Kultur mit dieser stark beworbenen Live-Sendung auch selber bekannt machen will. Und sie dürfen Kritik äußern. Die kommt denn auch in Bezug auf technische Probleme beim Suchen nach dem Sender im Radio. Wiecha reagiert offen: ”Es macht keinen Spaß, wenn man alle 50 Kilometer den Sender wechseln muss“, gesteht er. ”Aber wir senden nunmal auf 300 Frequenzen bundesweit.“
Währenddessen sitzt Oliver Gross seelenruhig vor dem Flügel. Er ist gleich mit drei seiner Bands ”angereist“ und wirkt, als ob er nie etwas anderes tut, als live zu spielen. Der 47-Jährige lehrt auch als Dozent an der Uni und hat einige Studenten als Musiker mitgebracht. Was Unterhaltsames soll er spielen, so lautete die Vorgabe. Das kann er gut.

Mehr als 200 Menschen erleben im Vortragssaal des Museums, wie Radio gemacht wird. Fotos: Gossmann
Und dann ist es soweit: 15.05. Mirjam und Sarah Brauns und Maylin Sackmann von der Marienschule übernehmen die Ansage. ”Es macht Riesenspaß, mit Schulen zusammenzuarbeiten“, erklärt Redakteur Bredel seine Vorgehensweise. Und ergänzt stolz: ”Die haben alle Texte selbst geschrieben.“ Zum Beispiel, dass sie Wildgatter, Rosentherme, Eintracht und Tanz mögen, aber die Fußgängerzone weniger. Und die drei Marienschülererinnen fordern keck ein Jugendparlament, das zum Beispiel für einen Scaterplatz im Zentrum kämpft. Riesenbeifall für das engagierte Trio, das in die Riege der Selbstdarstellung der ”Kulturchefs“ Bewegung bringt.
Redakteur und Moderator haben vor der Sendung mit allen Interviewpartnern gesprochen und Fragen vorbereitet. ”Wir wissen, worüber wir was erfahren wollen“, erklärt Bredel. Und die Interviewten dürfen sich in den Händen von Kosert, der mit netten Bon-mots die Stimmung lockert, ganz sicher fühlen.
Dr. Katja Lembke kann die Museumsgründer Hermann Roemer und Wilhelm Pelizaeus vorstellen und das Museum mit seinen Schätzen - allen voran Hem iunu - preisen. Dr. Angela Weyer, Leiterin des Hornemann-Instituts zur Erhaltung des Weltkulturerbes, erzählt trotz aller Aufgeregtheit souverän von ihren Aufgaben, HAWK-Prof. und Bildhauer Hans Lamb wirbt für das Projekt der Hildesheimer Bunsenfactory. Gastronom Rüdiger Schärling und Künstler Daniel Schärling erläutern ihr gemeinsames Kunst-Gaststätten-Projekt und Jan Sellke verrät das neueste Stadttheater-Programm. Und nur der Moderator hat ein Mikrofon: ”Wenn einer zu viel redet, kann ich es wegziehen“, verrät er. Per Knopf im Ohr werden Kosert aus dem Ü-Wagen Kommandos zugeflüstert. Und Bredel zeigt sich begeistert, als der Schlusston von ”Mia Bella und die Napolis” sekundengenau mit dem Sendeplan übereinstimmt. ”Das ist der Sport am Rande“, schmunzelt der 59-Jährige.
Kosert zeigt sich beeindruckt von der Metamorphose in der Musik: ”Drei Bands in einer Sendung, das ist selten.“ Mit wechselnden Solisten - Karen Baumgartel oder Christian Wolf und Annick Klug - kommen immer neue Klänge über den Sender. Der zum Beispiel auch das Juchzen von Gerda und die Schneuzaktion eines älteren Herren nicht verheimlicht. ”Das ist zu hören, aber die Atmo wird getrennt eingemischt“, verrät Bredel.
Apropos verraten: Mit Eifer wollen einige der Zuhörer den geheimnisvollen Theatertext von einem Herrn von Bock und dem Strumpfband - von Arnd Heuwinkel kraftvoll zitiert - auflösen. Aber das dürfen nur die Zuhörer am Radio. Frau Heinze aus Hamburg, die zugeschaltet wird, weiß die Lösung: ”Kabale und Liebe“. Das Schiller-Trauerspiel hat am selben Abend im Stadttheater Premiere (siehe Kritik oben).
Um 15.57 dann die Absage und der Hinweis auf die nächste Live-Sendung am 24. Februar aus Kassel. Das ”Savoy Swingtett“ geleitet in die 16-Uhr-Nachrichten. Und aus. Beifall und Erleichterung. ”Wir haben uns gut präsentiert“, ist Katja Lembke zufrieden. Und auch Claus Bredel kann ausatmen: ”Trotz aller Routine, eine gewisse Spannung bleibt immer ...“ art

Artikel aus "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" vom 12.02.2007




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